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Wie MAD seinen Markenkern verlor...

Aktualisiert: 14. Jan.

Ich war der erste Leser auf dem Titel vom MAD-Magazin.

Heute weiß ich: Das hätte niemals passieren dürfen.


Aber von Anfang an.


Ich war MAD-Fan durch und durch. Und wer MAD kennt, weiß: Dieses Satire-Magazin nahm nichts und niemanden ernst. Schon gar nicht seine Leserschaft.

Und wer damals MAD gelesen hatte, weiß: Die Leserbrief-Seite war mit die beste Rubrik! Nicht, weil wir als Leser:innen Antworten bekamen, sondern weil wir öffentlich auf die Schippe genommen wurden. Und wir liebten es!


Als ich also 1993, mit 14 Jahren, in einem Leserbrief frech vorschlug, doch mal MICH auf dem Titel abzudrucken, anstatt immer diesen „Alfred E. Neumann“, da rechnete ich natürlich mit einer bissigen, lustigen – und im besten Fall öffentlichen – Absage im Heft.


Aber nein, es geschah das Unfassbare:

Ich landete auf dem Titelblatt von MAD Nr. 286 😱 und war damit der erste Leser auf einem MAD-Heft.


Irgendwie war ich stolz wie Bolle! Und gleichzeitig irritiert. Denn irgendwas fühlte sich falsch an. Ich erkannte „mein“ MAD nicht mehr. Warum wurde ich auf einmal ernst genommen?!


Und es ging weiter: Es sollten weitere Leser abgedruckt werden. Ich hatte eine Lawine losgetreten. MAD machte daraus eine Marketing-Aktion.


Heute weiß ich: Das war ein Bruch und hätte niemals passieren dürfen.

MAD hatte seinen Markenkern verraten.


Der (gefühlte) Markenkern war immer klar: MAD nimmt nichts und niemanden ernst und biedert sich bei niemandem an. Oder, wie es so schön hieß: „Na und?!“

Als Frage an diejenigen, die MAD gelesen hatten: Wisst ihr, wer die zentrale Figur hinter dem deutschen MAD war?

Es war der legendäre Herbert Feuerstein (1937–2020).

Oder wie er sich nannnte: "die Red.".

Vom Heft 33 bis 276 war er Chefredakteur des deutschen MAD und prägte das Magazin maßgeblich – durch die Übersetzung der Inhalte aus den USA von Don Martin & Co., die Kuratierung deutscher Cartoonisten und Texter sowie durch Ton und Haltung des deutschen MAD.


Als er MAD im Jahr 1992 verließ, verschwand sein feiner Humor – und anscheinend auch die innere Leitplanke der Marke.


Zehn Ausgaben später gaben sie ihre heilige Kuh auf, die Titelseite, und druckten mich drauf. Oh wei.


Was können Marken daraus heute lernen?


Wenn zentrale Figuren ein Unternehmen verlassen und keine adäquaten Nachfolger:innen haben,, steht die Marke auf einer harten Probe.


In Zeiten eines notwendigen Wandels muss die Marke erkennen: Was schätzen die Menschen an der Marke? Was gehört zum Markenkern und muss unbedingt so bleiben, wie es ist?


Viele Marken scheitern daran und verlieren an Kraft durch Inkonsistenz im Kern.

Oder anders:

Manche Marken haben nicht mehr die Traute, einfach weiterhin „Na und?!“ zu sagen.


Wer mehr über die Hintergründe von MAD lesen möchte... diese Quellen habe ich für meine Recherchen verwendet:



 

 
 
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